Das Gänseblümchen: Heilpflanze des Jahres 2017

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Man trifft es fast zu jeder Jahreszeit auf Grasflächen, Wiesen und Weiden an: Wer kennt es nicht, das weiß-gelbe Gänseblümchen? Aufgrund seiner vielseitigen Heilwirkung wurde es zur Heilpflanze des Jahres 2017 gekürt. Die Volksheilkunde setzt es seit jeher für vielerlei Beschwerden ein.

Zur Botanik des Gänseblümchens

Beim Gänseblümchen (Bellis perennis) handelt es sich um eine mehrjährige, immergrüne Pflanze, die zur Familie der Korbblütler gehört. Der lateinische Name bedeutet so viel wie „schön“ und „ausdauernd“ oder „das ganze Jahr über schön“.

Im deutschen Sprachraum kennt man auch die Bezeichnungen Tausendschön, Himmelsblume oder Sommerröschen. Mit ihren Blättern bilden die Blümchen eine dicht am Boden liegende Rosette.

Aus ihrer Mitte treten immer wieder vier bis zu 15 Zentimeter hohe Blütenstängel. Eine Begegnung mit dem Rasenmäher wird dem widerstandsfähigen Pflänzchen daher nur kurzfristig zum Verhängnis.

Bei milden Wintern kann das Gänseblümchen ganzjährig blühen, zehn Monate sind die Regel. In der Hauptblütezeit von April und Mai sind ganze Grünflächen prächtig von den Blümchen geschmückt.

Die Blütenköpfe richten sich nach der Sonne, nachts und bei schlechtem Wetter schließen sie sich. Bellis perennis vermehrt sich einerseits generativ über Samen, die durch Wind verbreitet werden, andererseits vegetativ durch Ausläufer des Wurzelstocks.

Die Blütenkörbchen enthalten zwar wenig Nektar und Pollen, werden aber von Hummeln, Schwebfliegen und Fliegen trotzdem gerne besucht. Aufgrund der langen Blühdauer sind sie für Honigbienen eine gute Nahrungsquelle in nektararmen Zeiten.

Heilpflanze der Volksmedizin

In den zarten Blüten der Gänseblümchen, die sich überall der Sonne entgegenstrecken, steckt geballte Heilkraft. Wegen des hohen Gehalts an Saponinen wirken sie schleimlösend und werden gerne bei Husten eingesetzt. Weiterhin beinhaltet das Pflänzchen Gerb- und Bitterstoffe, Flavonoide, organische Säuren, ätherisches Öl, Vitamin C, Mineralien und Spurenelemente.

  • Das Rezept für einen Hustensirup: Zwei Handvoll Gänseblümchen mit Stielen und Blättern auf einen halben Liter kochendes Wasser geben. Über Nacht stehen lassen, dann abseihen. Nun 300 Gramm braunen Zucker dazugeben und zu Sirup einkochen. Täglich drei Teelöffel einnehmen.

Außerdem wird Bellis perennis nachgesagt, Verdauung und Stoffwechsel anzuregen und entzündungshemmend, wundheilend sowie schmerz- und krampflindernd zu wirken. Auch Frühjahrsmüdigkeit, Lippenherpes, Magenprobleme und Schwellungen nach Verletzungen sollen gemindert werden.

  • Rezept bei kleinen Verletzungen: 100 g Blüten mit 100 ml Doppelkorn in einem Glas übergießen. Verschließen, vier Wochen ziehen lassen, abseihen, in eine dunkle Flasche füllen. Zwei Mal täglich 15 Tropfen der Mischung einnehmen oder zum Beispiel auf blaue Flecken oder Verstauchungen reiben.

Traditionell ist das Gänseblümchen eines der bedeutsamsten Heilmittel bei Muskelschmerzen und Wunden. Bei kleinen Verletzungen oder Insektenstichen unterwegs kann man ein Blümchen sanft zwischen den Fingern zerreiben und den Saft auf die Wunde streichen. Der frische Presssaft aus den Blättern wird bei rheumatischen Gelenkschmerzen und Prellungen empfohlen.

  • Eine wirksame Tinktur wird aus einer Handvoll Blüten gewonnen, die mit 40-prozentigem Alkohol übergossen werden. Die Blüten müssen vollständig bedeckt sein. Der Ansatz wird täglich geschüttelt, nach drei Wochen abgefiltert und in dunkle Flaschen gefüllt. Die Tinktur dient zur Einreibung oder für Umschläge bei Blutergüssen, Prellungen, Quetschungen und Verstauchungen.

Gänseblümchentee schließlich soll Magenschmerzen lindern und Leber sowie Galle anregen. Dazu zwei Teelöffel Blüten und Blätter mit einem Viertelliter kochendem Wasser überbrühen und zehn Minuten ziehen lassen.

Dank seiner harntreibenden Eigenschaften ist dieser Tee auch ein gutes Heilmittel bei Ödemen. Ideal sollen zwei bis drei Tassen am Tag sein.

In der Nähe von viel befahrenen Straßen oder von Feldern, die gespritzt werden sowie auf Wiesen, auf denen Hunde herumlaufen, sind Gänseblümchen möglicherweise mit Schadstoffen oder Keimen belastet. Sammeln sollte man die Blumen hier daher nicht.

Anwendung in der Kosmetik

Das Tausendschön hat eine entzündungshemmende und regenerierende Wirkung. Gerb- und Bitterstoffe, Schleime, Saponine und Flavonoide sollen die gereizte Haut beruhigen und sie zart machen.

Für eine reinigende Gesichtsmaske zwei Handvoll Gänseblümchen mit einem halben Liter kochendem Wasser übergießen und 30 Minuten ziehen lassen. Davon drei Esslöffel mit drei Esslöffel Kleie und einem Teelöffel Honig mischen, zehn Minuten quellen lassen und sofort auftragen.

Ein Tee aus Gänseblümchen hilft offenbar gegen Pickel oder Ausschlag und fördert die Hauterneuerung von innen. Dazu zwei Teelöffel Blüten und Blätter mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und sieben Minuten ziehen lassen. Der Hautstoffwechsel wird angeregt und die Ausschwemmung von entzündungsfördernden Hormonen gefördert.

Eine Mischung von 50 ml oben beschriebener Tinktur und 150 ml Gänseblümchentee ergibt ein Gesichtswasser, das bei Akne wirksam ist.

Feuchte Kompressen können Ekzeme und Neurodermitis lindern. Dafür acht Teelöffel Gänseblümchen mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und abgedeckt 30 Minuten ziehen lassen. Dann abgießen und ein Baumwolltuch im Sud tränken. Das Tuch wird anschließend leicht ausgedrückt und einige Minuten auf die betroffene Stelle gelegt. Bei Bedarf kann dies mehrmals am Tag wiederholt werden.

Für eine Gesichtspackung, die Unreinheiten vorbeugt und die Haut pflegt, rührt man zwei Esslöffel Heilerde und einen Teelöffel Honig mit so viel Gänseblümchentee an, dass ein streichbarer Brei entsteht. Auf die Haut aufgetragen, lässt man diese Packung zehn Minuten einwirken und wäscht sie anschließend mit lauwarmem Wasser ab.

Das Gänseblümchen in der Küche

Neben seiner medizinischen Anwendung kann das Gänseblümchen als ganzjährig verfügbares Wildgemüse auch in den Speiseplan einbezogen werden, sein Geschmack erinnert an Feldsalat.

Gerade im Frühjahr passen die jungen zarten Blätter gut in Säfte, Salate und Gemüsemischungen, als Zutat in Kartoffelsalat, Kräuterbutter, Suppen oder Soßen. Gänseblümchen wirken appetitanregend, binden die Magensäure und können so Sodbrennen vorbeugen.

Der hohe Gehalt an Vitamin C, der über dem von Kopfsalat liegt, stärkt das Immunsystem und ist am Aufbau von Kollagenfasern beteiligt.

  • Im Kampf gegen Cellulite soll sich dieses Rezept lohnen: Eine Handvoll Gänseblümchen mit Quark verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und als Brotaufstrich verwenden.

Am besten sollen übrigens die jungen Blättchen aus dem Inneren der Rosette schmecken. Doch auch die Blüten sind essbar. Die Knospen sowie die nur halb geöffneten Blüten schmecken nussartig, die geöffneten Blüten dagegen leicht bitter, wodurch sie sich vorrangig als Salatbeigabe eignen.

Sauer eingelegt werden Knospen manchmal als Kapernersatz verwendet. Zum Aromatisieren von Bowle eignen sich die Blütenkörbchen. Auch kann man die ganzen Blüten dekorativ anrichten oder statt mit Puderzucker den Tellerrand oder Desserts mit abgezupften Blütenblättern garnieren.

Wen das mühselige Sammeln der Samen nicht abschreckt, der kann sich daraus einen guten Vorrat für den Winter anlegen. Als Keimsaat zur Sprossenzucht sind sie in der dunklen Jahreszeit eine gute Vitaminquelle.